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29. Mai 2008
Gut verpackt – Beruf und Leidenschaft von ROX Asia-Gründer Christian Rommel


Christian Rommel schätzt die Energie geladene Atmosphäre der Wirtschaftsmetropole am Perlfluss-Delta. Foto: HKTDC

Ob "Tango" oder "Tingbo" - Ähnlichkeiten mit dem Original sind voll beabsichtigt. Foto: Museum Plagiarius

Der "Business-Knigge China für deutsche Manager" ist Ende 2007 erschienen und hilft, bei Geschäftskontakten die größten interkulturellen Fettnäpfchen zu vermeiden. Foto: OWC - Verlag für Außenwirtschaft GmbH

Das Buch „Der Business-Knigge China“ profitiert von seiner fast 20-jährigen Erfahrung mit dem Reich der Mitte. Von seiner Sammelleidenschaft für Plagiate von Markenartikeln zeugt seit Mai eine Sonderausstellung im Museum Plagiarius in Solingen. Doch das Hauptgeschäft von Christian Rommel und seinem Unternehmen ROX Asia Consultancy Ltd. ist die Produktion hochwertiger Verpackungen und die Beratung europäischer Unternehmen der grafischen Industrie beim Markteintritt in China. Mit großer fachlicher Kompetenz und einem breiten Leistungsspektrum ist ROX mittlerweile nicht nur für deutsche, sondern darüber hinaus auch für europäische und US-amerikanische Unternehmen tätig.

Sein Weg nach Hongkong begann mit einem Abenteuer. Christian Rommel reiste 1989 über Pakistan nach Xian in China – mit dem Jeep durch den Himalaya! Als erster Ausländer arbeitete er dort für ein staatliches Verpackungsunternehmen. Nach seinen Reisen durch fast alle chinesischen Provinzen und der Ausübung unterschiedlicher Tätigkeiten in Asien gründete der gelernte Druck- und Verpackungsingenieur 1997 in Hongkong, kurz nach der Übergabe der britischen Kolonie an China, die Firma ROX Asia Consultancy. Das Unternehmen ist auf die Beratung in Sachen Druck und Verpackung spezialisiert und beschäftigt heute ein zehnköpfiges Mitarbeiter-Team. ROX und hat neben dem Hauptsitz in Hongkong auch eine permanente Niederlassung in Deutschland. Der Kundenkreis, der Premiumverpackungen für Produkte wie Bestecke, Porzellan, Schreibwaren und andere Markenartikel nachfragt, ist international.

Hongkongs Energie steckt an

Der Anfang war nicht leicht: Rommel hatte weder die Reputation, noch Kunden oder Mitarbeiter und nur geringe finanzielle Ressourcen. Es war nicht einfach, an einen Kredit zu kommen: „Die Banken in Hongkong rieten mir, mich als Deutscher doch an deutsche Banken zu wenden, die deutschen Banken sagten, wenn ich in China operieren wolle, sollte ich auch dort Geld leihen.“ Sein Durchhaltevermögen ließ Christian Rommel die Anfangsschwierigkeiten überstehen, ebenso wie auch die Krisen der vergangenen Jahre – ob Schwankungen des Euro und die Inflation, die asiatische Finanzkrise, Sars, die Vogelgrippe oder die Terroranschläge am 11. September 2001. Seinen ersten Geschäftskontakt machte Rommel auf einer Fachmesse in Nürnberg. Der deutsche Kunde hatte gerade erst seine Firma gegründet und sprach kein Englisch. Aber er benötigte gute und preiswerte Verpackungen für seine Kosmetik- und Gesundheitsprodukte. Das Unternehmen ist immer noch Kunde bei ROX und hat mittlerweile 300 Mitarbeiter. „Ob Verpackungen aus Karton, Holz, Metall oder anderen Materialien, wir entwickeln die Verpackungskonzepte, begleiten den gesamtem Produktionsablaufund kontrollieren die Qualität nach deutschen Standards, damit unsere Kunden eine maßgeschneiderte Lösung im besten Preis-Leistungs-Verhältnis bekommen“, so Christian Rommel.

Rommel, der die meisten Städte Asiens wie Bangkok, Delhi, Jakarta, Tokyo und Singapur besucht und dort auch gearbeitet hat, ist von der Wirtschaftsmetropole am Perlflussdelta überzeugt. „Ich habe nirgends so Energie geladene Menschen erlebt, wie hier.“ Hongkong ist ein fruchtbarer Boden für Unternehmer und ein wichtiger Ort für den Einstieg in den chinesischen Markt. „Für westliche Unternehmen, die nach China expandieren wollen, ist die Stadt eine perfekte Kombination von Ost und West.“ Das betreffe sowohl Finanzen und Verwaltung als auch die Kommunikation und das Rechtswesen. Die Stadt habe auch zum Erfolg der Unternehmen in Mainland China viel beigetragen. „Ohne Hongkong wären viele Firmen nicht wie sie heute sind. Viele von ihnen werden von Hongkong-Chinesen betrieben, geleitet oder finanziert und das ist der Schlüssel zu ihrem Erfolg.“ In Hongkong haben die Menschen ein Auge für Details und sind stark kundenorientiert. „Unsere Qualitäts-Kontrolleure sind aus Südchina und ich verlasse mich auf sie. Sie sprechen Putonghua, [der in der Volksrepublik gebräuchliche Name für die Hochsprache], verstehen die Mentalität der Festlandchinesen und sind westlich ausgebildet – eine sehr gute Kombination.“

Wie viele kleine und mittelständische Unternehmen in Hongkong, die ihre Wertschöpfung kontinuierlich verbessert haben, definiert sich ROX nicht ausschließlich über niedrige Preise, sondern über ausgeprägten persönlichen Service. Glücklicherweise suchen auch seine Kunden nicht immer die billigste Lösung. „Unsere europäischen Kunden setzen auf Qualitätssicherung, Just-in-Time-Lieferung, Verlässlichkeit und Kreativität. Der Wettbewerb ist gewaltig, aber wenn der Kunde mit dem Mehrwert unserer Dienstleistung glücklich ist, zahlt sich alles zurück.“

„Tompe“ versus „Tempo“ – Plagiat oder Original?

Sein Beruf sowie eine private Begeisterung an ungewöhnlichem Verpackungsdesign hat Christian Rommel auch zum Besitzer einer Sammlung von Plagiaten bekannter Markenprodukte und chinesischer Konsumgüter-Verpackungen, die nach traditioneller Weise gestaltet worden sind, gemacht. Darunter finden sich über 100 Plagiate von Tempo-Taschentüchern – erstaunlich kreative Variationen des Originals, die seit 26. April im Museum Plagiarius in Solingen zu sehen sind. „Es gibt wohl kaum ein anderes Markenprodukt, das so oft, so kunstvoll und so vielfältig nachgeahmt wurde. Die Qualität des Produkts reicht jedoch von hochwertiger Ware bis zum allerbilligsten Schund.“ Mit der Sammlung will der Unternehmer aber auch die Ambivalenz von Plagiaten in Entwicklungsländern deutlich machen. „Ein chinesischer Bauer aus Sichuan würde – selbst wenn er das Original erkennen würde – nie eine echte "Tempo"-Packung für den vierfachen Preis der nachgeahmten „Tinpo“-Billigvariante ‚made in China’ kaufen. Und dass das chinesische "Tompe"-Taschentuch weder nasenweich noch schneuzfest ist, wird ihm ziemlich egal sein.“ Wer dagegen die gute Qualität des Originals haben will, muss auch einen höheren Preis in Kauf nehmen – das gilt für alle Produkte. „Plagiat oder Original – das ist generell Einstellungssache. Raubkopierer bedienen einfach den großen Nachfragemarkt. Um das Problem zu lösen, muss man beim westlichen Konsumenten ansetzen und nicht beim asiatischen Produzenten.“

Erfolgreich auch in den USA

Christian Rommels besonderes Verständnis für Verpackung in China hat ihm bereits viel Aufmerksamkeit beschert. „Diese Erfahrung bringen wir in unsere tägliche Arbeit mit ein – auch wenn sie weder direkt gefordert noch als ideelle Leistung bezahlt wird.“ 2007 war ROX bereits zwei Mal als Spezialist für hochwertige Konsumgüterverpackungen auf Fachkongressen in den USA präsent und stellte Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit China über die Drehscheibe Hongkong vor. Mittlerweile hat das Unternehmen auch drei amerikanische Kunden – sowohl Herausforderung als auch Chance für ROX.

Über seinen Erfolg ist Christian Rommel selbst ein wenig überrascht: „Hätten Sie mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich mein Unternehmen hier in Hongkong mit den Kunden, die ich heute habe, betreiben werde, hätte ich Ihnen das nie geglaubt. Ich denke, die harte Arbeit hat sich ausgezahlt.“

Informationen zum Unternehmen: www.roxasia.com

Zur Sonderausstellung: Sie ergänzt die Plagiarius-Dauerausstellung, die seit April 2007 über 250 Plagiate der unterschiedlichsten Branchen zeigt. Informationen zu Öffnungszeiten und Führungen unter www.museum-plagiarius.de