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14. März 2017
Chinas Roboter Revolution: smarte Sicherheit

Chinas Roboter Revolution
AnBot, der smarte Security Roboter. Foto: Firma
Die jüngsten Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz (AI) und Internet-Technologie haben auf dem chinesischen Festland zur Entwicklung revolutionärer Smart-Security-Produkte geführt. Die rasche Expansion des Sektors eröffnet technik-affinen Unternehmen lukrative Geschäftschancen.

So ist die intelligente Fernüberwachung bereits zu einem festen Bestandteil des Alltags  von Millionen Haushalten auf dem chinesischen Festland geworden. Zudem hat die Zwei-Kind-Politik zu einem Schub für den Smart-Home-Security-Markt geführt, wo Hightech-Produkte zur Sicherheit von Babys und Kleinkindern eingesetzt werden.

Nachfrage nach smarter Sicherheit steigt
Ein Unternehmen, das diese Chancen nutzen will, ist YI Technology, die Smart-Kamera-Tochtergesellschaft von Xiaomi, dem in Peking ansässigen Elektronik-Giganten. Im Dezember 2016 veröffentlichte das Unternehmen ein Upgrade seiner YI Dome Camera 1080P, deren erste Generation in den vergangenen zwei Jahren mehr als drei Millionen Mal im Inland- und Ausland verkauft wurde. So wurde die Kamera unter den meistverkauften Artikeln beim Black Friday Sale 2016 von Amazon in den Vereinigten Staaten gelistet. Mitte Januar 2017 lagen die Verkaufszahlen auch über denen ähnlicher Produkte auf der JD.com E-Commerce-Plattform. Insgesamt lagen die positiven Bewertungen der Kamera (Verkaufspreis rund 25 USD) bei 96 Prozent, basierend auf insgesamt 22.000 Nutzerbewertungen.

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Ein Bestseller: Das Update der YI Technology's Dome Camera. Foto: Firma
Laut der Marketingabteilung des Unternehmens sei einer der wichtigsten Vorteile des Produktes der Einsatz von Erkennungssensoren. So kann das System, das auch über eine Gegensprechanlage verfügt, etwa das Weinen eines Babys identifizieren und so die Häufigkeiten von Fehlalarmen reduzieren. Abrufen lassen sich die Aufnahmen mittels Smartphone oder PC. Die Beobachtung von Kindern oder Haustieren aus der Ferne hat neben der Meldung bei Feuer und Einbrüchen die Nachfrage an intelligenter Sicherheit erhöht. Hilfreich waren zudem eine Reihe von Initiativen der Zentralregierung, vor allem die „Smart City“- und „Safe City“-Strategien sowie die Erweiterung des Internet Plus Digital Commercial Programms.

Zu den weiteren Marktführern im Bereich der intelligenten Sicherheit auf dem chinesischen Festland gehören ZTE Corporation, 360 und Xiongmai. Während alle Produktpaletten eine Reihe von individuellen Funktionen aufweisen, sind einige technische Attribute allen gemeinsam – High-End-Bewegungserkennungsalgorithmen, Kompatibilität mit Remote-Smart-Geräten, 360-Grad-Panorama-Option und Infrarot-Nachtsichtfunktion.

Automatisierte Sicherheit
Die jüngsten technischen Fortschritte kombinieren Roboter und Security, wobei die menschliche Beobachtung durch digitale Eingriffe ergänzt wird. Hierzu zählt der AnBot, angekündigt als Chinas erster intelligenter Security Roboter, der auf der letztjährigen Chongqing High-Tech Messe präsentiert wurde.

Der 1,49 Meter große AnBot wiegt 78 Kilogramm und verfügt über eine Reihe von smarten Systemen und Sensoren analog zum menschlichen Gehirn und den visuellen/akustischen Wahrnehmungen. Zu seinen Features zählen eine smarte Lernfunktion und Videoanalyse, die Fähigkeit, selbstständig Kontrollgänge zu absolvieren, eine intelligente Überwachung und Erfassung, die Möglichkeit zur Fernintervention sowie ein auditives und visuelles Alarmsystem. AnBot kann eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 18 Kilometern pro Stunde erreichen, Wege von durchschnittlich  einem Kilometer pro Stunde zurücklegen und 18 Stunden in Dauerbetrieb sein.

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Eine 360 Grad Smart Kamera überwacht die eigenen vier Wände. Foto: Firma
Neben AnBot verfügen auch andere Festlands-Unternehmen über intelligente Sicherheits-Roboter. So werden etwa die Roboter von Shenzhens Smart IOT Technology Group (CIOT) landesweit bereits in einer Reihe von Industrieparks eingesetzt. Der CIOT-Roboter verfügt über eine Audio- und Video-Gegensprechanlage, eine kabellose Innenraum-Navigation, Mensch-Computer-Interaktion, Gesichtserkennung, autonome Hindernisvermeidung. Darüber hinaus kann er sich selbst aufladen und selbstständig Patrouillengänge absolvieren. Er ist besonders geeignet für den Einsatz in Industrieparks und Räumlichkeiten, in denen gefährliche Chemikalien gelagert werden.

Der Erfolg solcher Roboter-Systeme ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, vor allem auf den Mangel an Sicherheitspersonal. So gibt es Bereiche, die für Wachleute unzugänglich und daher schwer zu überwachen sind. Ebenso  sind raue Umgebungen und ungünstige Bedingungen in manchen Einrichtungen für die menschliche Patrouille ungeeignet. Hinzu kommen Kostenfaktoren. Die Löhne für das Sicherheitspersonal steigen konstant und eine zunehmende Mitarbeiterfluktuation und mangelnde Zuverlässigkeit verschärfen das Problem. Im Vergleich dazu sind automatisierte Systeme verhältnismäßig günstig zu betreiben und garantieren ein hohes Maß an Kontrolle und Kontinuität der Dienstleistung.

Nach Aussage des Managers einer Sicherheitsfirma kann ein intelligenter Sicherheitsroboter das Arbeitspensum von bis zu vier Mitarbeitern erledigen. Da sich die Technologie ständig weiterentwickelt, ist davon auszugehen, dass solche Systeme künftig verstärkt in Banken, Geschäftsräumen, Gemeinden, Ausstellungen und Regierungsgebäuden zum Einsatz kommen. Viele lokale Filialen der China Construction Bank und des Foshan Administrative Services Centers in Guangdong verlassen sich bereits auf Roboter-Sicherheitslösungen.

Cloud-Lösungen
Der Sicherheitssektor befindet sich derzeit im Umbruch: Traditionelle Überwachungsprotokolle werden nach und nach durch intelligente Online-High-Definition-Überwachungssysteme ersetzt. Damit geht eine steigende Menge an Videodaten einher, die die Nachfrage nach Speicher- und High-End-Analysesystemen erhöht.

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Big Data hilft auch bei der öffentlichen Planung. Foto: Firma
Bei der Speicherung sind ein kontinuierlicher, stabiler und zuverlässiger Betrieb sowie die Verwaltung eines umfangreichen Datenvolumens zu gewährleisten. Eine verbreitete Lösung  ist ein Cloud-Storage-System, das den Speicherplatzes des Nutzers nicht blockiert und gleichzeitig eine komfortable, übergreifende Video-Suchfunktion bietet. ZTE offeriert zum Beispiel bis zu 30 Tage Cloud-Speicher für Videodaten, zusammen mit verschiedenen Backup-Sicherheitsoptionen. YE plant die Einführung eines intelligenten Festplatten-Videorecorders mit einer Mehrfachverschlüsselungsoption und einer P2P-Remote-Verbindungstechnologie. Letzteres soll den Nutzern ermöglichen, auf eine Multi-Screen-Viewing- und Wiedergabe-Option zuzugreifen.

Bei Geschäftskunden ist das bestehende Cloud-Monitoring-Protokoll von Hikvision, Huawei und anderen namhaften Unternehmen in diesem Sektor mit den Services vieler Hosting-Dienstleister und Datenanalyse-Unternehmen kompatibel. So ist ein Zugriff auf eine Vielzahl von intelligenten Video-Datenanalyse-Optionen möglich.

Insgesamt sieht man die Einführung der Big-Data-Technologie als wesentlich für die Maximierung der internen Datenerfassung, die Sicherstellung einer umfassenden Strukturanalyse, Optimierung aller Prozesse, Kostensenkung und Effizienzsteigerung. Letztlich ist die Integration von Informationsquellen aus dem Sicherheitssektor mit Daten aus anderen Branchen der nächste unvermeidliche Schritt. Eine Reihe von europäischen Bahnhöfen wendet solche Daten bereits an, um den Strom von Millionen von Passagieren über visuelle Sensoren, die in öffentlichen Räumen montiert sind, zu verfolgen. Die Datenanalyse ermöglicht es den Mitarbeitern dann, den Passagierfluss zu optimieren und diese Erkenntnisse in die Abfahrtsplanung zu integrieren. Es ist davon auszugehen, dass die Analyse von Smart-Security-Daten künftig weit über die Beobachtung von Räumlichkeiten hinausgehen und dem Handel und den Städten gezielte Informationen als Basis für ihre Entscheidungen zur Verfügung stellen wird.

Ansprechpartner für die Redaktion:
Christiane Koesling, HKTDC
Tel.: 069 95772-161
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