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21. Dezember 2018
Hungrige Mägen statt Deponien füllen – Hilfsorganisation Feeding Hong Kong

Feeding Hong Kong
In den letzten 12 Monaten gab Feeding Hong Kong 1,7 Millionen Mahlzeiten an Bedürftige. Foto: FHK 

Statt auf die Deponien bringt eine Hongkonger Hilfsorganisation Nahrungsmittelüberschüsse in die Küchen von Bedürftigen. Gegründet wurde Feeding Hong Kong von Gabrielle Kirstein. Sie ist selbst Geschäftsfrau und hat Verständnis dafür, warum viele, noch gute Nahrungsmittel nicht an die Konsumenten verkauft werden können. „Händler nehmen noch gute, essbare Ware aus den Regalen, die sich trotzdem nicht mehr verkaufen lässt. Beispiele sind etwa fast abgelaufene Haltbarkeitsdaten, obwohl die Ware noch Wochen, Monate oder sogar manchmal Jahre sicher und genießbar ist,“ so Kirstein. Andere Gründe seien geänderte Marketingstrategien, neue Firmenlogos, Produkte, die für Festtage produziert wurden, Kennzeichnungsfehler, Rezeptänderungen oder überschüssiger Lagerbestand. Die Lebensmittel seien weiterhin genießbar, aber ihr Warenwert im normalen Geschäft gemindert. Hier kommt nun die 2011 gegründete Feeding Hong Kong ins Spiel und sammelt die Produkte, um sie an Hilfsorganisationen in der Metropole zu verteilen.

Feeding Hong Kong Team
16.000 Arbeitsstunden leisteten Freiwillige in den vergangenen 12 Monaten, damit 114 Hilfsorganisationen unterstützt werden konnten. Foto: FHK 

Die Lücke schließen
„Alle Lebensmittelhersteller, egal wie effizient sie arbeiten, haben zu bestimmten Zeiten überschüssige Lagerbestände, die nicht gebraucht werden,“ erläutert Kirstein. „Wir verteilen die Lebensmittel dahin, wo Bedarf besteht.“ Kirstein, die früher als Führungskraft im Marketing- und Event-Bereich tätig war, kam 2003 aus UK nach Hongkong. Sie arbeitete zunächst als Freiwillige für die Organisation Redress bevor sie die Idee zu Feeding Hong Kong hatte. In der Metropole werden täglich rund 3.600 Tonnen Lebensmittelabfälle auf Deponien entsorgt.

Aus UK war Kirstein bekannt, dass die internationale Sandwich-Kette Pret a Manger dort ihre überflüssigen Lebensmittel spendet. Sie kontaktierte das Unternehmen, ob dies auch in Hongkong möglich sei. „Sie antworteten mir, dass sie dafür Hilfe bei der Identifikation lokaler Hilfsorganisationen benötigen, damit die Lebensmittel wirklich an Bedürftige gehen und die Handhabung sicher und effizient sei,“ erinnert sich Kirstein. „Ich begann, entsprechende Einrichtungen zu kontaktieren, ob sie an Lebensmittelspenden interessiert sind.“

Feeding Hong Kong Gabrielle Kirstein
Gabrielle Kirstein, die Gründerin der Organisation. Foto: Privat 

Gründungspartner
Pret a Manger wurde 2009 der erste Unterstützer der flügge werdenden Organisation, die schnell an Bekanntheit gewann. Gabrielle Kirstein verließ ihren bisherigen Job, um sich Fulltime um Feeding Hong Kong zu kümmern. „Aus unserer 2011 rund 150 Quadratmeter großen Tafel wurden bis heute 600 Quadratmeter. Wir arbeiten mit über 250 Lebensmittelunternehmen und uns helfen mehr als 120 Freiwillige in der Woche.“ Zu den Partnern gehören neben Firmen wie den Maxim’s Bäckereien und Wellcome Supermärkten auch eine Reihe von Non-Food Betrieben. „Wir haben viele fantastische Gemeindepartner und könnten das, was wir tun, nicht ohne sie schaffen,“ so Kirstein. „Vom ersten Tag an, haben uns Unternehmen mit kostenlosen Services etwa in den Bereichen Lagerhaltung, Transport, Rechnungswesen und Recht unterstützt.“

Freiwillige aus Unternehmen
Das Sortieren der Nahrungsmittel ist sehr arbeitsaufwendig. Jedes Teil, das gespendet wird, muss inspiziert und manchmal auch neu verpackt werden. „Von den über 120 Freiwilligen, die jede Woche kommen, stellen Gruppen aus Unternehmen den Hauptteil.“ Zu den Top 10 der Firmen, die im letzten Jahr über 5.200 Stunden geleistet haben, gehören: Bank of America Merrill Lynch, Bloomberg, JPMorgan, DBS Bank, Goldmann Sachs, Nomura, The Bank of East Asia, Hong Kong Exchanges and Clearing, Wharf Estates, Credit Suisse und Salesforce.

Gab es am Anfang einiges Zögern bei den Firmen, ist Hongkong nun Teil der schnell wachsenden Bewegung in der Region und Feeding Hong Kong kooperiert mit Tafeln etwa in Singapur, Taiwan und Shanghai. „Heute ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit viel ausgeprägter. Die Konsumenten sprechen die Firmen an, was sie mit den Überschüssen machen, und diese reagieren darauf. Dies ist ein sehr positiver Trend.“

Feeding Hong Kong Van Pret a Manger Hong Kong
Ziel von Feeding Hong Kong ist es, dass künftig keine guten Lebensmittel mehr auf Deponien entsorgt werden. Foto: FHK  Die Sandwich-Kette Pret a Manger ist seit 2009 Unterstützer der Organisation. Foto: FHK 

In den letzten 12 Monaten hat die Organisation 650 Tonnen Lebensmittel gesammelt und weitergegeben, was 1,7 Millionen Mahlzeiten entspricht. Mit Hilfe von 16.000 Freiwilligenstunden konnten 114 Hilfsorganisationen unterstützt werden.

Die Zukunftsvision
„Unser übergeordnetes Ziel ist, dass keine guten Lebensmittel mehr zu Deponien gehen. Wir wollen Menschen und nicht Deponien füttern,“ so Kirstein. 2019 will die Organisation die Lagerfläche um weitere 420 Quadratmeter erweitern, um noch mehr Menschen helfen zu können. „Wir werden uns mit weiteren NGOs treffen und sie dabei unterstützen, ihre Kosten für Lebensmittel zu verringern und dieses Geld in andere Services umzuleiten. Ich sehe unsere Arbeit als Win-Win Situation für Unternehmen, Hilfsorganisationen und die Umwelt.“

Ansprechpartner für die Redaktion:
Christiane Koesling, HKTDC
Tel.: 069 95772-161
E-Mail: christiane.koesling@hktdc.org